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LAND´S END

Angekommen am südlichsten Punkt Englands.


Nach einer 12-stündigen Reise, die mich durch 5 Länder führt, einschließlich einer Überfahrt mit der Fähre von Calais nach Dover, komme ich endlich bei Fiona in Leicester an. Ihre Augen glänzen beim Anblick unserer wunderschönen Tiger 900 Rally Pro in Matt Khaki Green. Wir taufen das Bike auf den Namen Sher Khan. Unser lang erwarteter Roadtrip durch Großbritannien kann endlich beginnen! Begleite Adventure Travelbug auf der Reise...

Wir können es kaum erwarten, los zu fahren, aber zuerst entscheiden wir uns für eine Spritztour mit Sher Khan offroad! Der Trans-European-Trail (TET) bietet über 4.215 km Offroad in England an und wir möchten die Scorpion Pirelli-Reifen testen und einige Trail-Fahrten ohne unser Reisegepäck genießen. Leider sind wir nicht in der Nähe der TET, aber zu unserer Überraschung finden wir in Leicestershire mehr Offroad-Spaß als erwartet. Es gibt nämlich gleich mehrere Umgehungsstraßen in unmittelbarer Nähe, die sich in England “Bypasses” nennen und auf denen wir legal mit Sher Khan fahren dürfen. Perfekt! Nach einer Menge Regen stehen wir vor einem Abenteuer und finden hier Schotterpisten, schlammige Wege und Flussüberquerungen. Während unserer Motorradreise in Mittelamerika haben wir viele Flüsse überquert, aber unsere längste Flussüberquerung findet in Thorpe Langton in England statt. Wer hätte das gedacht?  

Bereit, unsere Reise zu beginnen, laden wir das Gepäck auf Sher Khan. Wir wollen so schnell wie möglich die Südküste Großbritanniens erreichen, also wählen wir die uninteressanteste Route direkt über die Autobahn. Wir kommen in der Küstenstadt Brighton an und halten direkt an der Strandpromenade. Ein langer Kieselstrand mit dem ikonischen Pier aus den 1980er Jahren beschert uns unseren ersten Meerblick. Es ist kalt und windig und weder Fiona noch ich wollen unsere Motorradklamotten ausziehen. Haben wir nur ein bisschen Pech mit dem Wetter oder ist das der britische Sommer? Wir laufen an den vielen Restaurants der Strandpromenade entlang und genießen unser erstes traditionelles Fish and Chips. Von diesem Punkt aus fahren wir westlich der Küste Englands entlang bis nach Land’s End um uns anschließen auf den Weg nach John O’Groats zu machen, dem nördlichsten Punkt Schottlands. 

Am nächsten morgen krabbeln wir aus unserem Zelt und endlich begrüßt uns blauer Himmel und Sonnenschein. Wir fahren weiter Richtung Westen nach Dorset, quer durch den New Forest National Park. Hier werden wir von den  freilaufenden ‘New Forest Ponys’ und vielen anderen Wildtieren begrüßt. Nach einer kurzen Überfahrt mit der Fähre in Bournemouth erreichen wir unser nächstes Ziel, die sogenannte Jurassic Küste. Der 153 km lange Abschnitt der abwechslungsreichen Küste bietet viele idyllische Kleinstädte, einzigartige Felsformationen und Fossilien. Die Fossilien sind Hunderte Millionen Jahre alt, können aber bei Wanderungen entlang der Küste leicht gefunden werden. Ich gebe der spektakulären Aussicht die Schuld daran, dass Fiona und ich keine finden konnten. Unser erster Halt führt uns zu den einzigartigen Kreideformationen von „Old Harry Rocks“. Die Wanderung entlang des Küstenpfades ist atemberaubend und wir genießen den Ausblick auf die dramatisch steilen Klippen aus weißem Kalkstein, die sich im Laufe von Millionen von Jahren durch Erosion gebildet haben. Unsere Reise führt uns weiter westlich durch malerische Dörfer, Burgruinen, atemberaubende Strände und Felsformationen wie in Durdle Door. Die kurvigen Straßen entlang der Küste sind ein wahrer Bikertraum und der Ausblick auf die endlosen Strandabschnitte sind das i-Tüpfelchen. Die kurvigen Straßen führen uns zu unserem nächsten Ziel, dem Dartmoor National Park.  

 

Wilde, offene Moorlandschaften und tiefe Flusstäler sorgen für eine abwechslungsreiche Fahrt und noch mehr atemberaubende Ausblicke. Trotz wenig Verkehr und weitläufigen Straßen gibt es wenig Grund Sher Khan in den Sportmodus zu schalten. Wildtiere lauern hinter jeder Ecke. Schafe, Pferde oder Kühe schlafen am Wegrand oder wechseln häufig die Straßenseite. Aber es macht uns nichts aus, es langsam anzugehen um die Aussicht genießen zu können. Dartmoor ist nicht nur einzigartig in seiner natürlichen Schönheit, sondern ist auch der einzige Ort in England, an dem man legal wild campen darf. So verbringen wir die nächsten Tage nicht nur damit durch Dartmoor zu fahren, sondern auch zu wandern und campen, während wir uns an der Landschaft ergötzen. Jeden Morgen wachen wir umgeben von wilden Pferden, Schafen und Kühen auf.

Nachdem wir Dartmoor erkundet haben, entscheiden wir uns auf dem Rückweg zur Küste einen Teil der TET zu fahren, die am Rande des Nationalparks verläuft. Nachdem wir ein paar verschlafene Dörfer mit seinen Bauernhäusern und Feldern durchquert haben, finden wir den Weg. Es ist ein steiler, felsiger Weg mit losen Steinen und Sand. Mit solch rauem, herausforderndem Gelände hatten wir nicht gerechnet. Zu zweit und voll beladen zu fahren ist definitiv eine Herausforderung. Der Trail wird mit jeder Kurve anspruchsvoller und steiler und schließlich müssen wir zugeben, dass wir vielleicht an unsere Grenzen gestoßen sind. Also beschließen wir zurück an die Küste zu fahren, versprechen uns jedoch zu einem späteren Zeitpunkt unserer Reise und ohne Gepäck einen anderen Abschnitt der TET abzufahren. 

Auf unserer Fahrt zurück an die Küste passieren wir urige, kleine Dörfer mit Reetdachhäusern, die uns das Gefühl geben, eine Zeitreise angetreten zu sein. Es dauert nicht lange, bis wir in Cockington unseren ersten Cream Tea genießen – eine britische Spezialität, die in diesem Teil Englands am häufigsten zu finden ist. Die Küste in Devon unterscheidet sich deutlich von Dorset, das von weißen Kreidefelsen dominiert wurde. In Devon bietet die Küste nicht nur dramatische Klippen aus rotem Sandstein, sondern größtenteils auch rote Sandstrände an. Wir fahren weiter entlang der Küste und südlich von der malerischen Stadt Dartmouth entdecken wir Blackpool Sands – ein sehr langer und breiter, goldener Strand, umgeben von üppigen, grünen Pinien. Das Wetter hat sich wieder verschlechtert, aber selbst an einem düsteren, bewölkten Tag ist die Schönheit dieses Ortes unbestreitbar. Nach einer kleinen Pause fahren wir etwa drei Kilometer am Strand entlang und sind überrascht, einen alten Sherman-Panzer in Slappton Sands zu finden - ein Kriegsdenkmal. Unser letzter Halt in Devon ist die schöne Küstenstadt Salcombe. Sie ist mit Meeresfrüchte-Cafés und Restaurants, schönen Cottages und einem atemberaubenden Blick auf die umliegenden goldenen Sandstrände übersät. Wir haben Mühe unsere Reise fortzusetzen, nachdem wir diesen kleinen Juwel gefunden haben und beschließen den Tag am Strand zu verbringen und stattdessen am nächsten Tag nach Cornwall weiter zu fahren.  

Am nächsten Morgen fahren wir quer durch Cornwall und unser erster Halt ist das alte Schmugglerdorf Polperro. Sher Khan darf, wie alle anderen Fahrzeuge auch, leider nicht mitkommen.  Also parken wir Sher Khan und laufen über die vielen engen Gassen zum Hafen. Wieder einmal fühlen wir uns in der Zeit zurückversetzt, als wir dieses idyllische, alte Fischerdorf erkunden und verschiedene Fischspezialitäten schlemmen. Wir würden hier gerne den ganzen Tag verbringen, aber wir haben eine lange Fahrt zum ‘Lizard’ vor uns, um den südlichsten Punkt Großbritanniens zu erreichen. Die Hauptattraktion ist die in der Nahe gelegene "Kynance Cove" - ein Gezeitenstrand, der für seinen weißen Sand, das türkisfarbene Meer und die Felsformationen bekannt ist. Unsere ersten Eindrücke von der Küste Cornwalls übertreffen jegliche Vorstellungen. Wir haben nicht erwartet in England türkisfarbenes Wasser zu sehen und obwohl wir „Kynance Cove“ bei Flut erreichen, wenn die meisten Strände nicht sichtbar sind, ist die Schönheit dieses Ortes unbestreitbar und bietet uns einen Vorgeschmack darauf, was uns in Cornwall erwartet. 

Am nächsten Tag fahren wir weiter entlang einer der schönsten Küstenlinien Großbritanniens und treffen auf viele weitere lohnenswerte Stopps. Sher Khan führt uns weiter in den Süden und wir werden von St. Michaels Mount begrüßt, einer felsigen Gezeiteninsel im Meer mit einer wunderschönen, mittelalterlichen Burg auf der Spitze. Wir haben Glück – es ist Ebbe. Also halten wir an und gehen über die Granitstufen direkt hinüber, aber kurz darauf steigt der Wasserspiegel und der Weg verschwindet unter unseren Füßen. Wir eilen zurück zu Sher Khan und fahren weiter zum alten Fischerdorf Mousehole, um einen Campingplatz zu finden und weitere köstliche Meeresfrüchte zu genießen.  

Unser nächster Stopp ist ein riesiges Highlight und wird nur schwer zu toppen sein. Wir besuchen das Freilichttheater von Minack in Porthcurno und folgen dem Küstenpfad bis wir den Strand von Pednan erreichen. Es ist wieder einmal ein Gezeitenstrand, und das Wetter steht in unserem Gunsten und beschert uns eine atemberaubende Aussicht auf diesen einzigartigen Strand. Wir fühlen uns fast wie in der Karibik.  Das Wasser ist türkisblau und der Sandstrand hat eine wahrhaft exotische Atmosphäre. Großbritannien hat über 7.700 Meilen Küste, aber irgendwie glaube ich nicht, dass wir einen schöneren Strand finden werden. Wenn doch, werden Fiona und ich wirklich sprachlos sein.  

Wir setzen unsere Fahrt nach Sennen fort, einer Bucht direkt neben Land’s End und werden von unserer Gastgeberin Tiffany Coates begrüßt – einer Frau, die seit über 20 Jahren Adventure Bikes auf der ganzen Welt fährt und Hunderttausende von Meilen auf ihrem Motorrad zurückgelegt hat. Sie war eine große Inspiration für Fiona und mich, am Anfang unserer Reise. Daher ist es ein besonderer Moment, sie endlich persönlich zu treffen und von ihr in Land’s End empfangen zu werden. Rechtzeitig zum perfekten Sonnenuntergang genießen wir hier Fish and Chips. 

Am nächsten Morgen machten wir uns von Tiffany’s Haus auf den Weg, um Land’s End zu Fuß zu erkunden. Obwohl Land’s End nur fünf Kilometer vom Haus entfernt ist, bleibt Sher Khan zu Hause. Die Küste hier ist wirklich spektakulär und es wäre schade, sie nicht zu Fuß zu erkunden.  Die Wanderung soll 3 Stunden dauern, aber da ein Strand schöner als der andere ist, brauchen wir ungefähr 5 Stunden. Wir kehren am nächsten Tag zurück, um sicherzustellen, dass Sher Khan nichts verpasst hat und lassen uns dann zu dritt vor dem bekannten “Land’s End” Wegweiser fotografieren. Von hier aus fahren wir nach John O’Groats. Die Anreise hierher selbst hat sich bereits wie ein schönes Abenteuer angefühlt, aber irgendwie ist es gleichzeitig auch nur der Beginn von einer ganz besonderen Reise.